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Kalkutta liegt am Ganges und ich sitz mitten drin, mein Nachbar sitzt am Fenster nun ratens wo ich bin?

in Titel von Marc Omar, Hamburg

Es rast alles an einem vorbei, die Wiesen die Schafe, die Häuser. Wie schnell doch Häuser sein können und dieses irre, fast fliegende Schaf. Der Zug steht schnell zwischen zwei Welten. Das aus einer Stadt heraus, das verlassen dieser seltsame Moment indem entlang der Bahnstrecke eine Stadt immer kleiner wird. Hauptbahnhof, die Geschäftshäuser, große Straßen und viele Menschen. Die ersten Kilometer durchfährt man immer noch diese große Stadt, es sieht aus wie eine große Stadt. Dann wird die Große immer kleiner, der Rand wird erreicht. Der Rand ist immer dünn, immer unanktraktiv. Keiner will den Rand, keiner will am Rand leben. Es ist wie mit der Pizza. Ißt man Sie fängt man immer am Rand an, schlägt sich eine Ecke frei und ißt sich über die Mitte zum Rand. Der bleibt dann meist liegen, ist man doch satt - man war ja schon mal in der Mitte, Rand als notwendigen Anfang ist OK, zum Ende nicht. Städte sollten nach diesem Prinzip Ihre Bahnhöfe bauen.

Eine notwendige aber dennoch verheißungsvolle Einfahrt zur Mitte und eine anders laufende Ausfahrt die es einem nicht unnötig schwer macht. Eine Ausfahrt durch einen Tunnel z.B. Dann fährt man nur noch durch den tollen Teil, ein bisschen von der Mitte weg, in den Tunnel, dunkel und weg ist man. Wenn man dann soviel Masse einer großen Stadt wie Hamburg hinter sich gelassen hat. Wenn man noch die Vorstellung von 2,5 Mio. Menschen im Ohr hat, der Geruch noch im Zugabteil steht aber alles so weit weg ist und das ganze wie ein entferntes kleines Grundstück aussieht auf dem das alles passiert, auch wenn man gar nicht da ist. Also nicht das komprimierte eines Fernsehers, den schalte ich aus. Ich bin sicher das dann da drin nichts mehr los ist hinter der dunklen Glasscheibe. Auf der Fahrt ist man so weit und alleine. 280km in 2,5h ich wünsche mir den Transrapid. Es ist nämlich nicht nur total blöd an den Rand einer Stadt zu fahren, es ist auch genauso vertane Zeit sich von Schafen und Häusern überholen zu lassen. Das Enviromental-Entertainment-System der Stupid German Transportation & Waiting Cooperation ist außerhalb jeglicher Marktwirschaftlicher Konzepte. Das Paradigma der deutschen Einöde im Kontext des zweigleisigem Stahlschienen-Verkehrs ist pure Ödnis. Da war die Bahn gerade erfunden und in großen Teilen noch im Bau und trotzdem hatten es die Amis total drauf.

Die Bauarbeiter hatten einige krachende, Karl-May festspielartige Events die ihnen teilweise die Haare vom Kopf rissen. Für die Passagiere der damals an die körperlichen Grenzen rasenden Donnerkesseln, gab es zum Beispiel ein paar flotte Raubüberfälle, Brückensprengungen etc. Das deutsche Zwischenland, also das um die Mitte herum ist nicht zu gebrauchen. Doch wie sieht die andere Seite aus. Ich sitze jetzt gerade im Zwischenlandexpress Hamburg Berlin. Ich bin über die Depression des Randes hinweg, obwohl es mir mit einem Tunnel besser gehen würde aber.... ratta ratta ratta, hat die Bahn eigentlich ein Copyright auf diesen Song? Vor dieser Stahlwurst, der Lockführer wird es evtl. schon sehen können, liegt Berlin. Eine noch größere, wenig schlafende Stadt. Flatsch, einfach so in der Landschaft. Da laufen auch Millionen Menschen rum und wenn man auch nur 10 Kilometer weit weg ist hört man davon nicht mal was. Wenn es in Hamburg Ostwind gibt kann man trotzdem nichts von Berlin hören. Noch 30Min. Fahrt, nichts zu sehen nichts zu spüren. Im Zug auf der anderen Schiene, er kommt aus Berlin, sitzt bestimmt auch jemand der die Qualen des Randes gerade hinter sich hat. Eine Frau vermutlich, ich werde ihr die Geschichte faxen, Sie soll Ihre drei Gedanken dazu bringen und gut ist. So Interessant ist die Sache nun doch nicht. Sie lesen immer noch? schön blöd. Es kommt nämlich nicht mehr viel. Geistreiche Betrachtungen über meine Rand-Stadt-Rand-Mitte-Nichts Theorie werden sie auch nicht weiterbringen. Findet doch jeder seinen eigenen Rand, mein Sitznachbar sollte seinen halten. Ja, es ist ein Apple Powerbook - nein das gibt es nicht in der Buchhandlung - ja es funktioniert tatsächlich ich sagte schon es ist von Apple. Letzte Frage: War Ihnen die Geschichte angenehm?

© 2000, Autor: Marc Omar