in Titel von Marc Omar, Hamburg
Ein dunkler Raum eine Bar deren bordotrote Stimmung uns als Farbe erscheint. Es ist warm, nicht nur vom marmornen Tresen und es liegt eine beruhigende Langsamkeit in der schwer duftenden Luft. Beim betreten spürt man die Blicke anwesender, sitzend dösender Gestalten die etwas von einer wunderbaren Glückseeligkeit haben. Sind sie doch längst über das Ende hinaus gegangen. Kein klagen, nur noch wortloses sich treiben lassen. Die Ewigkeit ist in diesem Raum und nicht im Himmel. Wer hereinkommt braucht sich nicht vorzustellen, er wird nicht gemustert. Wer diesen Raum betritt ist gleich mit den Anwesenden. Dieser Raum nimmt einen auf und er verändert einen. Es ist eine Verführung. Nach kurzer Zeit erreichen die ersten Klänge das Ohr. Es beginnt zu schwingen man hört einen Walzer, einen zu langsamen, ein getragendes Klanggebilde. Man kann Whiskey, Farbe und Zeit hören. Die gespielten Klänge eines Klaviers durchstreifen klagend die Luft, vereinzelte Töne die nur manchmal sich zu einer Melodie zusammenfinden. Dann entsteht eine wunderbare Musik, tiefe Emotion. Man meint Tom Waits zu spüren, man hört in diesem Moment seine kraksende, weite Stimme. Er singt vom Blues eines Mannes. Vom Wahnsinn. Die Musik klingt im Raum, sie geht unter sobald man seine Aufmerksamkeit einer anderen Sache zuwendet. Einen Drink. Der Barmann hatte die Falsche schon in der Hand, es ist einer dieser Barmänner die alles hören nie reagieren, alle die Geschichten mit einem Lächeln quitieren, ein „ja ich höre zu“ . Sein ganzes Leben macht er das. Keiner fragt sich was er mal als Kind war, wie er zu diesem Beruf gekommen ist. Es ist diese Art Barmann der sein Leben nur in der Getragenheit seiner Bewegung: Glas nehmen, Flasche ansetzten, und dem einschenken verarbeitet und dennoch uns allen eine große nähe zeigt. Tom Waits setzt ein „Thank you NewYork“ an. Er lispelt so verloren fröhlich zum Saxophon. Mein Nachbar an der Bar murmelt still vor sich hin. Ich entdeckte einen Lichtschein der unwirklich strahlend durch die staubigen Fenster gerade zwischen den Vorhängen hindurch in den Raum fällt. Diese ewig, brutale, herzlose Welt hat in diesem Moment, wo man den schönsten Ort auf Erden gefunden hat, nicht besseres zu tun als mit strahlend leuchtenden Sonnelicht, warmen Asphalt und sommerlichen Freuden zu locken. Warum kann es nicht wie immer Regnen. Ich lasse den Raum weiter auf mich wirken, ich will nicht schon wieder springen. Schließ nun die Augen lass das Bild entstehen. Nimm dir nur diese 5 Minuten. Das Bild jetzt stehen lassen.
Ich fange an meinem Platz an der Bar im Geiste zu verlassen auch wenn ich meinen murmelnden Nachbarn gerade als Lou Reed erkannt habe. Ein ewig tiefer Sprachgesang, den er zum Thema New York abließ. Perfekt Day war besser denke ich und schwebe schon schwer und langsam über der Bar. Ich bin nicht sehr geübt im Fliegen und lasse es langsam angehen. Der schwere Duft des Raumes, der durch die Vorstellung der sommerlichen Frische draußen vor der Tür ehr zum Gestank wird. Nein ich will es so schön behalten. Die schwülstig warme Luft lässt mich weiter hochsteigen. Ich gleite durch die Decke und erreiche die darüber liegende Wohnung. Ein wenig spannender Ort, der wenig über Geschichte und Bewohner sagt. Jede Wohnung hat seinen Duft diese nicht. Das einzige was mich begleitet sind die spröden Klänge von Tom. Es zieht mich weiter nach oben, schwebe durch die Wohnungen von Alten, rieche Tod, sehe Sex, sehe Gewalt und Freude. Sehe all diese emotionsgeladenen Quadratmeter die aufeinander getürmt daliegen als wenn es nichts besseres gibt. Warum sitzen nicht alle unten an der Bar. Trinken, Rauchen und hören Lou zu oder schlafen ein und dösen weiter. Schlafend wach sind sie doch eh alle. Mal was neues probieren. Doch durch jedes dieser Fenster in diesen Wohnungen fällt das gleiche eklige Sonnenlicht, strahlt alles an und macht es so gleich. Eine einzige Provokation liegt mit diesem Licht in jeder dieser Behausungen. Du dunkel, dreckig und voll Schande, ich hell und ungetrübt sagt es. Wäre die Sonne ein vor einem stehender Mann würde man zuschlagen, wäre sie ein eine Frau schickt man sie in die Küche, einem Kind nähme man das Spielzeug weg. Nur diese Sonne ist nicht zu erreichen. Das nutzt Sie gerade schamlos aus.
Ich verlasse auf meinem Flug das Haus, verfange mich noch kurz im Wirrwar von trocknender Wäsche als ich den Dachboden durchfliege. Die eine oder andere Dachziegel stürtzt in den Abgrund uns zerschellt auf der Straße. Trifft aber niemanden, denn Blutflecken kann der warme Asphalt heute nicht gebrauchen. Ich schwebe über der Straße, die Tür zur Bar geht auf und wie ein letzter verzweifelter Versuch verlassen die Gäste in einer langsamen Schritten aufgereihten Prozession die Ewigkeit. Angeführt von Tom der einen einsamen langsamen Walzer mit triefend bewegten Worten in die sommerliche Stille trägt. Im Refrain erheben sich aber leicht die ersten Worte, ein Trotz und eine Entschuldigung der man dieser strahlenden Welt entgegensetzt Chorus: It´s such a sad old feeling the fields are soft and green it´s memories that I´m steeling but your´re innocent when you dream, when you dream your´re innocent when you dream Running trough the graveyard we laughed my friends and I - we swore we´d be togehter until the day we died until the day we died.
Das Instrument kann sich nicht den Gefühlen widersetzen und ohne das man weis wer hier das Instrument ist erheben sich die Klänge, erheben sich die Köpfe. Die Sonnenstrahlen auf der blassen Haut wärmen, das blinzeln der Augen lässt sie leicht wässrig werden und sie glitzern. Der frische Duft kitzelt in den verstaubten Nasen. Wir heben die Arme und Atmen ein. Leben.
Viel Spaß, wir sehen uns in unserer Bar, egal an welchem Ort und werden weiter über die Stadt fliegen bei einem Drink.
Cheers Marek.
©2003, Autor: Marc Omar