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Weihnachtsmann

von Marc Omar, Hamburg

DATE 19.11.2003

Vorwort. Der spanungsgeladene Adventsspaß ist wieder da. Jetzt, 4 Jahre nach der ersten Ausgabe gibt es die refurbished Version des Krimis rund um den Weihnachtsmann und sein brutales Schicksal. Nach der folgenden Einleitung wird in der Adventszeit mit 24 Teilen der Fall, eventuell, geklärt. Neue Erkenntnisse haben es notwendig gemacht die Geschichte noch einmal ganz neu aufzurollen, nicht nur weil es mittlerweile einige Mächtige aus dem Süden Italiens gibt die unter dem Druck einer neuen, noch mächtigeren, Familie aus dem Norden Deutschlands ausgesagt haben.

Lieber Guter Weihnachtsmann: Moment, verweile doch, die Ganze Wahrheit – Ungelogen (echt)

1. Einleitung Die folgende Geschichte ist wahr. Zumindest so wahr wie all die anderen Geschichten die sich um seine Person ranken. Doch sie stellt auch nach wissenschaftlicher Meinung die schlüssigste Erklärung vieler unverständlicher Ereignisse der letzten 2000 Jahre da. Was alle Kinder schon immer wussten: Der Weihnachtsmann lebt tatsächlich! Nach ihrer Meinung stimmt das natürlich nicht. Wieso Sie es aber nicht geschafft haben Ihren mittlerweile 17 jährigen Kindern dieses Märchen mit dem Weihnachtsmann endlich auszureden muss ein Indiz Ihrer romantischen Ader oder Desinteresse sein. Nun ist es zu. Denn nach diesem Tatsachenbericht wird es ganz schwer aus der Nummer raus zukommen. Es dreht sich, wie gesagt, um die Wahrheit. Die lautet ganz kurz: Der Weihnachtsmann hat geliebt! Bis neulich, da wurde er erschossen. Tatzeit 25.12.2002, 21 Uhr Tatort: Parkplatz Kinderparadies Karstadt. Aber Sie sollten die Sache im Detail kennen lernen und von allen Seiten beleuchten. Es fing damals so an. Der Weihnachtsmann war als Promotionangestellter schon viele Jahre bei der Post tätig. Damals ausgedacht von einem einfach gestrickten Werbetexter. Der fand die ganze Erscheinung von gelben Postleuten zu einem so winterlichen und heiligen Thema wie Christi Geburt überhaupt nicht passend. Flugs wurde dann der Schmucke rote Mann mit gestyltem Rauschebart ins Rennen geschickt. Besonders die junge Zielgruppe sollte damit umworben werden. Das Geschäft lief gut. Millionen von Wunschzetteln wurden jedes Jahr an das Christkind geschickt. Die kamen natürlich nie an, da die kleinen Racker die Postleitzahl vom Himmel nicht kannten. Zumal die Post die Sache noch verschärfte, ist es nun die PLZ von Himmelstür 31137 oder Himmelstadt 97267 oder Himmelspforten 21709. Wie auch immer die Sache war ein gutes Geschäft, 55 Cent für die halbe Leistung, nur Briefkasten leeren aber nicht ausliefern! Aufsehen fand die Promo-Idee auch in den Medien Reportagen, Fernsehfilme und Liveübertragungen aus der Renn-Tier-Gasse mit Kai Ebel auf RTL puschten die Sache richtig hoch. Das ZDF brachte zu diesem Anlass auch immer jedes Jahr seinen Fernsehsechsteiler für die ganze Familie. Zum Beispiel die Geschichte von ne´m Jungen der sein Lächeln verkaufte und heute die Versteckte-Kamera moderiert. Wo das zusammenhängt? Ganz einfach der

Mann weiß wie man Geld macht, erst verkauft er sein Lächeln und jetzt raubt er mit seinen flachen Scherzen auch noch unseres. Beliebt wurden zum Thema Christigeburt auch Lamas-Kurse, unter Liebevollen Puschen-Papis auch Röchelkurse genannt, bei denen, dem Christkind verfallene, alt-ökö-christen-mütter lernten im Original Maria- Stall-Urschrei ein Kind auf Biostroh zu gebären. Das ist ne riesen Sauerei mit dem Stroh im Kreissaal aber der Bauer aus dem Nachbardorf zählt sich mittlerweile zu den größten Pharma-Spezial Lieferanten des Krankenhauses. Seine Produktpalette wurde erweitert auf „Stroh neu“, und auf die bereits vollgekackte Ausführung „Stroh-Dunk“. Die Kinder sollen davon angeblich größer und stärker werden. Stroh-doof ist nur das sie jetzt alle an Heuschnupfen leiden. Werbung zieht wie meistens mal wieder die absurdesten Bahnen, die absolut keinen Sinn machen und garantiert, aber wirklich überhaupt nicht geplant waren. Wie wollen Sie die Zielgruppe der Bekloppten Öko-Muttis und ihrer gutgläubigen Einzeller-Kinder erreichen? Das geht nicht mal mit dem Fernsehen, das können nur der Bundeskanzler, Dieter Bohlen oder andere Promotion-Figuren direkt, in der Auseinandersetzung mit dem Volk. Top Idee mit dem Weihnachtsmann, super seine Legislatur Periode ist unendlich, wen wollen Sie als Gegenkandidaten wählen? Den Osterhasen der mit seinen langen Löffeln den Tannenbaum umreist oder kleine weiße Engelchen die durch den verdreckten Schornstein robben? Ne das sieht doch nicht aus, das wollen wir nicht haben. Dreckige Blondinen bitte nur als Witz oder bei Deutschland sucht den Superpopstar.

Doch mittlerweile haben sich die Zeiten geändert, Endmonopolisierung. Genau denkt man da, Nord und Südpol, wir wollen mehr Abwechslung, wo sind West- und Ostpol? Wer war eigentlich der erste Mensch am Ostpol? Richtig, der Marlboro-Mann. Und am Westpol? Auch richtig, die Russenmafia, die ihr Geld weggeschafft hat. Übrigens Väterchen Frost, Präsident Put ihn in den Knast, war früher Mitarbeiter der kleinen Pizzabäckerei Café Palermo und erfand die Tiefkühlpizza. Nachdem unsere Bundesregiegierung seinerzeit beschlossen hat die Sache mit den Polen aufzulösen, nicht die Polen, sondern die Monopole, wurden kurz und bündig aus Telekom, Bahn und Post dufte wirtschaftliche Aktienunternehmen. Wer von uns hat sich nicht mit dem Geld einen Porsche gekauft? Dank Volksaktien und dem Rentenmodell 70/280 (Alter/kmh) keine Probleme mehr in Deutschland, das Land ist wieder Jung. Privatisierung ist schön, z.B. mit der Telekom telefonieren, oder mit ner Vorwahl bei der Telekom anrufen, über deren Leitungen aber ohne Sie zu bezahlen auch telefonieren obwohl das dann billiger ist aber bei der Telekom nach der 10 Minute wenn man das ISDN Einsteigerpaket 234 Plus hat wieder billiger wäre und ich bis heute nur Rechnungen von der Telekom bekomme und keine Sau mehr durchsteigt nennt man das ... puhh solche Bandwurmsätze strengen an... Liberalisierung der Märkte! Liberalisierung, die FDP schafft es mit dem Begriff nicht mal über die 5 Prozent Hürde weil keiner das Parteiprogramm versteht und Guido nicht weiss wie man das schreibt. Was bedeutet das nun alles für die Post und ihren Weihnachtsmann? Konkurrenz, Verdrängung und Wettbewerb. Da helfen auch nicht die vielen Briefbeschwerer der Post-Gewerkschaft die für ihr Recht auf die Straße gehen. Das heißt gehen die für Ihr Recht oder für Geld auf die Straße? Arbeiterkampf sponsort by Vodafone: „Damit sie auch auf der Demo immer Ihre Börsengeschäfte online erledigen können“. Es gibt schon Demonstranten die machen locker ihre 10-15% Rendite auf 2 Kilometern. Auf manchen Transparenten stehen schon die Dax- und DowJones-Werte. Auch der steigende Gebrauch des Internets im Berufleben findet Ausdruck in Forderungen wie: „Wir fordern die 35 Kilo-Byte Woche“. und „Wer zweimal mit der gleichen chattet, gehört nicht mehr gerettet“.

Wie auch immer, im Rahmen des nun aufkommenden Wettbewerbes wurden schon Mitte 1998 von Konkurrenten der Post World Net AG, Marketingstrategien entwickelt sich auch einen Teil des Jahresendgeschäfts, auch bekannt als Weihnachten, unter den Nagel zu reißen. Durch Benchmark-Tests und Szene-Screening kam man schnell auf den Weihnachtsmann. Doch die Figur war zu besetzt als das man Sie einfach kopieren konnte. Verkaufen wollte die Post die Vermarktungs- und Merchandisingrechte auch nicht. Was tun? Was nun genau geschah sollen erst unsere folgenden Ermittlungen aufdecken. Eines war schon klar als wir am Tatort ankamen, hier waren Profis am Werk. Unser Kundenberater kombinierte blitzschnell, der Marketingplan der Brieftauben war ein eiskaltes Mordkomplott. Wie damals mit der Schnapsbrennermafia und dem Malteserfalken, aber das ist ein anderer Fall.

Lesen Sie weiter in unserem 24 teiligen Aufklärungsbericht, was am 25.12.98 wirklich geschah, er wird ihnen jeden morgen online auf www.cafe-palermo.de/mord präsentiert. Alternativ können Sie auch eine Abo-Lieferung per e-Mail erhalten. Dazu bitte ein Mail an mord@cafe-palermo.de senden.

(Alles dazwischen, die 24 teile kommen noch.)

1.12.03: Wir erhalten den ersten Einblick in die Ermittlungsakten. Fast ein Jahr hat es gedauert bis wir die Genehmigung erhielten, den Fall noch einmal aufzurollen. Seit dem 25.12.2002, der Mordnacht, versuchen mächtige Interessenvertreter das Geschehene zu verschleiern. Als erstes Fundstück am Tatort fällt uns ein Kurierscheck von „UP´S“, dem Kurier, dem schon mal was runterfällt, auf. „UP´S gehört eindeutig zu den Postkonkurrenten und die versuchen nicht nur in einigen russischen Provinzen alternativ einen braunen Weihnachtsmann zu etablieren. Interessant an dem Dokument ist besonders der Absender; ein gewisser Herr Harvey von den Osterinseln!

2.12.03: Die Mütze der Rasanten. Wir finden eine mit der Nummer 2 gekennzeichnete Sportlermütze am Tatort. Die Farbe Magenta macht die Suche nach dem Besitzer nicht schwer: Team Telekom, die Radrennfahrer tragen solche Mützen. Und eine spätere Genanalyse weißt eindeutig die Steroide- Blut-Mischung des Herrn Ulrich nach. War er im Training zur Tour de Weihnacht vorbeigerast? T-D1 macht verdammt viel möglich. Sollte es bald nur noch Rudolph the red nose Rennrad heißen?

3.12.03: Winke, Winke machte der Weihnachtsmann kurz vor seinem Tod sicher nicht mehr. Er beschimpfte höchstens noch jemanden mit: „Du Po!“. Wir finden gefälschte Teletubby Figuren aus dem Ostblock (Beweisstück Nr. 3). Woran erkennt man die? Sie sind aus Knetgummi und heißen Lolek und Bolek. Auf den im Bauch eingelassenen Bildschirmen läuft eine Folge von Pan Tau: Pan Tau feiert Weihnachten. In dieser Folge zaubert er sich ganz klein und freut sich über sine großen Geschenke. Winke, Winke Lala, gute Nacht John Boy.

4.12.03: Schlamperei am Tatort. Ein als erster am Tatort angekommener Streifenpolizist wollte der lüsternen Menge den grusligen Anblick der Leiche ersparen. Aus der Fansammlung seiner Tochter nahm er das Dieter Bohlen Bettlaken, auf dem sie schon so wunderbare Nächte verbrachte, und bedeckte den Leichnam. Als ob der Arme nicht schon zu Lebzeiten leiden musste! Entwürdigend, wie der Dieter da „Megageil“vom Laken grinst. Und wie das ehemalige Paar Bohlen/Naddel diese Jahr beide zum Becher(n) gekommen sind, der eine Preist sie inder Werbung an, die andere leert sie fleißig.

5.12.03: Welch fröhliches Geschenk. Wer hat sich das denn gewünscht? Das Sammelalbum „Feindbilder“ - die unliebsten Menschen und Volksgruppen zum Einkleben und Tauschen. Für Menschen, die schon alles haben und vielleicht mal einen Haider gegen einen linken Kulturbeauftragten tauschen möchten. Das Album war der Renner in diesem Jahr, nicht nur auf den Schulhöfen. Trägt es doch zur friedlichen Auseinandersetzung mit unseren Vorurteilen bei. Ein wirklich christliches Geschenk! Besonders schwer zubekommen waren die Bilder von Maria und Joseph im Streit mit den örtlichen Tourismusbüros. Schön auch die Serie „auf dem Weg nach Ankara, oder wir stehen alle im selben Stau, weißt Du?“ Das gefundene Album war fast vollständig, es fehlten nur die Bilder von Hussein und Bush beim gemeinsamen Golfspiel, Bin Laden und dem großen Unbekannten. Der fehlt seltsamerweise in jedem Album. Aber dieses Album sollte einer der entscheidenen Hinweise sein.

6.12.03: Zarte Versuchung. Das kleine Büschel Haare, goldig gefärbt, viel fast gar nicht auf. Es lag einfach nur da und blitzte kurz im Schein unserer Taschenlampe auf. Es war ein zauberhaftes Glimmen und uns allen wurde innerhalb dieser kurzen Sekunde bewusst, dass wir diesen Nikolausabend damit verbrachten, einen geliebten Traum zu begraben. Selbst unserem hartgesottenen Hilfskriminalen Schimmi zog ein weihnachtliches Frösteln unter seiner Jacke entlang. Wir wollten nicht so recht glauben dass dieses engelsgleiche Haar eventuell von einer Täterin stammt. Im Laufe der Ermittlungen kamen aber immer mehr Zweifel auf. Eine Frau bringt einen dickem Mann um, mit dem Sie nicht mal verheiratet war? Absurd.

7.12.03 Raubmord? Wenn man am 25.12. einen Weihnachtsmann überfällt kann es sich eigentlich nicht um eine cleveren Täter handeln, immerhin hat der Mann schon alle Geschenke verteilt. Dass es nicht um Geld ging zeigte sich auch in unserem 7. Fundstück, der Brieftasche. Ihr Inhalt bestand aus einer Himmel-Express Kreditkarte (auch Himmex genannt) etwas Bargeld und einem dicken, schwarzen Ersatzknopf. Erstaunlich nur, der Mann hatte weder Visitenkarten noch einen Parkausweis für Beamte im oberen Postdienst dabei. Und wie sich später noch herausstellte fehlte etwas sehr entscheidendes.

8.12.03: Mümmelmann, als alkoholhaltiges Jägermeister-Derivat ist es einigen aus´m Aldi bekannt. Mümmelmänner oder auch wie wir Friesen sagen „Kaaaarnigels“ stellen neben dem Weihnachtsmann die zweit stärkste Fraktion der Feierlichkeiten mit Maskotchen da. Ihre gewerkschaftliche Organisation und ihre schier nie endende Population machen sie gefährlich. Die kleinen hoppelnden Eierträger haben nur einen Nachteil, sie sind wahnsinnig unordentlich. Lassen sie doch immer etwas herumliegen. Wir fanden ein Bund Möhren am Tatort. Uns war klar, damit kann man keinen umbringen, handelte es sich doch nicht um die Sorte Wenke Möhre. Somit half uns das bei der Suche nach der Tatwaffe nicht weiter.

9.12.03: Wie schon bei Fundstück 7 bemerkt fehlte etwas in der Brieftasche des Ermordeten. Die Key-Card für das Rechenzentrum der Deutschen Post WorldNet AG. Nicht nur der Zugang zu allen geheimen Daten war damit möglich, sondern auch zu den allergeheimsten Daten im Spinnt vom Weihnachtsmann. Was nun zwei Probleme in die Ermittlungen brachte. Waren der oder die Täter an der Post eigenen Adress- und Geschenkdatenbank interessiert? Oder wollten sie die privaten Habseeligkeiten des Opfers zu einer Skandalgeschichte ausnützen? Nun gut, in der Tür des Spints fand sich das ein oder andere anzügliche Bild leicht bekleideter Engelchen. Es war nun Zeit für die Polizei Stellung zu beziehen und zwar vor dem Hauptpostamt und zu den Nacktfotos an manchen Türen der Dienstwagen.

10.12.03: Ganz wichtig - die Tatzeit. Bei der roten Leiche fand man eine zertretene Uhr, die 20.35 anzeigt. Diese Zeit deutet daraufhin, dass der Weihnachtsmann kurz nach Ladenschluss zu seinem Schlitten wollte. Der wurde aber in der Tiefgarage nicht gefunden, er hatte auch keinen Parkschein dabei. Hatte er wohlmöglich ein Treffen mit einer unbekannten Person evtl. sogar dem Täter? Das ließe darauf schließen, dass er ihn gekannt haben müsste. Auch ein eventueller Erpressungsversuch ist nicht auszuschließen. Womit kann man den Weihnachtsmann erpressen? Droht man ihm mit Rutenschlägen? Hatte er vielleicht eine Sex-Affaire mit einem Engelchen? Man stelle sich das mal vor - wie er so erschöpft nach der Arbeit nach Hause kommt, seinen Mantel öffnet und... seinen leeren Sack beiseite legt. Den Rest dieser Szene überlassen wir ihrer schmutzigen Fantasie.

11. 12.03: Die Spur. Auf dem Parkplatz Nr. 2412 fanden wir auch eine Fußspur. Wie sich durch die polizeizoologische Untersuchung der Spurensicherung herausstellte, handelt es sich um Rentierspuren. Nein, nicht die eines animalischen Rentners, sondern die von Rudolph the red Nose, eine berüchtigte Kiezgröße von der Reeperbahn. Ein wildes Tier, dem man besser aus dem Weg geht. Der Weihnachtsmann hatte ihn lange Jahre für seine Dienste, im wahrsten Sinne des Worte, eingespannt. Die Kampfspuren weisen allerdings nicht auf die eines gehörnten Zugtieres, sondern eher auf einen fiesen mit langen Qualen durchgeführten Foltermord hin. Hohoohh, jetzt wird’s gruslig - ab morgen mehr.

12.12.03: Folter-Ritual oder Schlachtermord? Blutspuren fanden sich an vielen Stellen des Tatorts. Ob von einer oder verschiedenen Personen ließ sich bis heute nicht feststellen. Warum eigentlich? Schlamperei bei der Polizei? Bei uns, den cleveren, smarten grünen Männchen aus dem Weltraum - tschuldigung Dorfzimmer! Eines fiel an Spur Nr. 12 auf, die Form erinnerte an eine kleine Träne, wie von einem Vampir geweint, der kein schönes Geschenk, sondern von seiner bösen türkischen Stiefmutter ein paar Knollen Knoblauch geschickt bekommen hatte. War das ein Motiv? Schmeckt das Blut vom Weihnachtsmann nach Schokoladensoße? Ich kratze etwas von den verkrusteten Blutspritzern ab und probiere. Nein, schmeckt nur nach altem Mann.

13.12.03: Reizwäsche. Jeder Karnevalist war diesen Anblick zwar aus erotisch, närrischen Zeiten gewohnt. Doch uns im hohen Norden versetzt es förmlich in einen Schock: Wir haben keinen Prince und kennen dafür nur ein Wort: TAFKAP, The Accessory Formaly Known As Pappnase. Streng verbotenes Zeug also. Wer traut sich mit solch heißer Ware an den Weihnachtsmann heran. Wenn wir jetzt versuchen ein Täterprofil zu erstellen, fällt uns nur eines dazu ein. Nämlich, Pappnase = Pinocchio-Bastelbogen für 9,99 im Grafik-Bedarfshandel. Kommen also die scharfen Schnittwunden von einem Grafik-Skalpell? War es ein frustrierter Mac-User, der seinen Unmut über die Weihnachtsmannlüge und dem Fehler 13 das Leben unerwartet beenden wollte, oder war es die Maf ja?

14.12.03: Der Bauch. Dass der Weihnachtsmann einen dicken Bauch hatte, wussten wir. Ist Ihnen auch klar, woher der kommt? Aliens? Flugzeuge? Können Sie sich noch an Olli P. mit seinem Brechreiz fördernden Singsang erinnern. Als er mit Grölis „Flugzeuge im Bauch“ selbige reihenweise zum Absturz gebracht hat? Schade eigentlich das er nicht gerade auf den TwinTowers stand – die hätten sofort umgedreht. Ist der Weihnachtsmann also an einer gigantischen Verstopfung gestorben, oder an Olli? Eher liegt die Vermutung nahe, dass es sich um ein Komplott der Overnight-Mafia, der Cosa-Nixda, handelt. Diese Blutsauger- Bande hat schon die Christel von der Post gefügig gemacht, sie läuft seitdem auf dem gelben Strich und bläst das Posthorn für ’n Euro. Es kann sich aber auch um die eifersüchtige Ehefrau handeln? Ja, der Weihnachtsmann war verheiratet und hat zwei uneheliche, Kinder von einem Engel namens Gabriele Hunziger.

15.12.03: Die Kinder des Dicken Gabriele war eine kleine Affaire, ein Tete-à-tete auf dem Gabentisch. Allerdings machte sie ihm gleich zwei dicke Geschenke, die man leider nicht mehr umtauschen konnte. Die beiden sind heute erwachsen und arbeiten in Berlin. Balthasar Eichel und Melchior Schröder; beide leiden sehr unter der starken Vaterfigur und dem guten Renommée ihres Vaters. Der eine wird auch verdächtigt, die Weihnachtskassen der Familien zu plündern und das Geld auf schwarze Konten der roten Partei zu leiten. Klarer Fall von sektenartigen Verbindungen zum Weihnachtsmann. Wenn es aber so wäre, dass der BND (Bundes Nikolaus Dienst) dahinter steckt, wird es sehr schwer den Fall zu knacken. Denn statistisch lassen sich nur Fälle von intelligenten Tätern aufklären – nicht die von Dummen. Wenn man wirklich zu blöd für alles ist, dann kann man immer noch ’ne tolle Karriere als Krimineller machen (Berlusconi, Bush, Kalle Schwensen).

16.12.03: Blitzmeldung: Dieses Foto eines verzweifelten Weihnachtsmann-Imitators erreichte soeben die Mordkomission. Er erfuhr gestern vom Tod des Weihnachtsmannes und erlebt jetzt eine tragische Depression mit kritischen Zukunftsängsten. Nein, Stop, sagen wir da. Mach es noch nicht, bleib hart und lies erst einmal die letzten 8 Folgen unseres Aufklärungsberichtes. Danach kann man immer noch sein Leben beenden, sich besaufen o.ä. oder beides. Der Gute Tipp: Besoffen erschießen kann zu schweren Fehlversuchen führen, also erst Peng, dann Prost.

17.12.03: Rutenplanung Ob im Firmenschlitten des Weihnachtsmannes ein Navigationssystems (GPS = Gift Positioning System) eingebaut ist, konnten wir noch nicht feststellen. Kollegen vom 13. Revier hatten das Gefährt aufgrund eines Parkvergehens abgeschleppt. Aber einen wichtigen Hinweis darauf fand sich auf der Liste der unartigen SM-Fetischisten. Auf diesem Plan war genau vermerkt, wer, wann und wo bestraft werden wollte. Ein echter Rutenplan also. Interessant ist dies zur Rekonstruktion des Aufenthaltortes kurz vor seinem Tod, denn daraus könnte sich ein Hinweis auf den Täter ergeben. Gabriele, die Mutter seiner Kinder, tauchte auch in dieser Liste auf. Obwohl sie doch eigentlich, mittlerweile, mit einem hohen Vorstandstier der Deutschen Bank verbandelt ist. Wir fragten uns natürlich, wie bestraft man einen Masochisten, der „schlag mich“ winselt? Man sagt einfach Nein.

18.12.03: Ihhhhrrr Fundstück Nr. achtzehn machte uns Kopfzerbrechen. Zwei Kollegen starben sogar daran. Wir fanden ein rundes, weiches etwas. Ein Bobbele könnte man sagen. Ich steckte den Finger rein und stellte fest, dass es keine Form von Widerstand gab. Bin ich schon drin? Ich bin drin, das ist ja einfach. Aber so einfach ist das alles gar nicht. In mir kommt langsam die Verzweiflung hoch, dass ich diesen Fall langsam abschließen muss. Seit einem Jahr nun versuchen mehrere Expertenteams diese mysteriösen Ereignisse aufzuklären, ohne Erfolg. Dabei heißt es doch AOL Advent Ohne Leichen – das könnte es sein. Hat sich ein AOL-Konkurrent, z.B. T-Online, auch als die separatistische Gruppe Tod-Online bekannt, das herzige Motto vorgenommen und einen berühmten und wichtigen Mann getötet um den heiligen Weihnachtsfrieden zu stören? AOL hat in diesem Weihnachtsgeschäft schon reagiert, da es zu Lieferengpässen bei Geschenken kommen wird hat der Konzern T-Shirts mit der Aufschrift „Ich bin jung, ich kann warten“, verteilt. Gibt es die neue Carrera-Bahn jetzt nur noch als E-Mail Attachment im JEPG-Format?

19. 12.03: Zettelwirtschaft. Daß der Weihnachtsmann häufig in der Kneipe einen auf den Deckel bekommen hatte, lag meist daran, dass er kein Bargeld bei sich hatte. Aber der Wirt war nett und er konnte in der Regel auch später zahlen. Das Leben als Saisonarbeiter ist eben nicht leicht. Da war die Möglichkeit mit dem Anschreiben lassen (Deckel machen) eine gute Sache. Bei der Leiche fanden wir aber noch ein Schreiben seines Arbeitgebers, der Post World bla bla AG. Darin wird ihm mitgeteilt, dass er als Zeitarbeits-Promotion-Angestellter ab sofort keine Reisekosten und Spesen zwischen Neujahr und Nikolaus geltend machen durfte. Das fand er bestimmt nicht lustig, musste er doch auf vielen internationalen Spielwarenmessen auch im Sommer immer nach den neuesten Trends fahnden. Das müssen Polizisten übrigens auch, gerade auf dem Gebiet der Indiziensuche und der Kombinationstrends gibt es viele Neuerungen. Man denke nur Akte X. Und da schoss es mir wie ein Blitz durch den Kopf...

20.12.03: Wunschgedanken. Gestern deutete ich schon an: Es gibt eine entscheidende Wendung in meinen Überlegungen zu diesem Fall. In einem einmaligen Selbstversuch werde ich nun der Sache auf den Grund gehen. Kinder, nicht nachmachen! Ich schlucke eine Akte X-Brausetablette, um mich ins Nirvana der 5 bis 6 Dimension des Sience Fiction-Kaufhauses zu katapultieren. Ich erlebe einen farbigen Spektral-Strudel, durch den es mich durchzwängt. Ähnlich wie wenn man in der U-Bahn zwischen Dicken Frauen in geblümten Kleidern steht. Ich fliege so dahin, denke an U-Bahnen, und erhalte Visionen. Media-Visionen von der Telekom und Premiere-World. Da gibt es jetzt persönliches Fernsehen! Und ich wünsche mir einen Krimi, in dem ein einsamer Kriminaler, so cool wie Schimmi und gut aussehend wie Delon, einen kniffligen Fall von einem Toten am 1.Weihnachtsabend anhand von 24 Indizien aufklärt. Ich wähle so mein Programm und dann kommt es „BITTE GEBEN SIE DEN NAMEN DES TÄTERS EIN“ - sehr witzig. Drogen waren früher auch von höherer Qualität. Greifen wir lieber zu Champagner, auch egal.

21.12.03: Im Auftrag Ihrer Majestät. Manchmal soll man ja den Ort, an dem man arbeitet, wechseln. So wollte ich mich dieser Tage aufmachen, meinen alten Freund Sherlock Holmes, in London, zu besuchen. Ich buchte eine Passage auf einem alten Autofrachter, und mein Bett in der städtischen Heimanlage war bestätigt. So freute ich mich auf stille Abende am Kamin, an denen ich meinen Fall mit Holmes besprechen wollte. Er würde sicher durch seine außerordentliche Kombinationsgabe ein paar wichtige Hilfen liefern. Kurz vor meiner Abreise, rief mich der Kapitän jenes Schiffes, das mich über die Nordsee nach England bringen sollte, an. Wir besprachen in dünnen Worten die Problematik eines heranziehenden Orkans. Er war wenig gewillt, das Risiko auf sich zu nehmen, und schlug vor, derweil im Hafen von Hamburg zu verweilen. „Tausend Höllenhunde, noch einmal“, fluchte ich den Schönwetter- Freizeitkapitän an. Ob er denn bei Nieselregen aufgewachsen sei, oder ein richtiger Kerl wäre, der sich was traut. Er traute sich nicht, ich blieb an Land. Das war‘s, was mich mit ihm verband.

22.12.03: Auf dem Trockenen. Daheim an Land geblieben, tippe ich schnell noch meinen Bericht. Warum ich nun vom harten Richter, lieb und leise werd zum Dichter, fällt mir jetzt nicht so recht ein, also lass ich‘s lieber sein. Pruuh, schüttel - das war schlecht. Aber diese besinnungslose Weihnachtszeit, bei der es an jeder Ecke nach schlechtem, aufgekochtem Rotwein riecht, hinterlässt schon seine Spuren. Meine kalten Finger sinken immer müder auf die Tasten, die Gedanken drehen sich nur noch um die Frage? Wer ist der Täter? Was soll das alles? Und vor allem, wer bringt uns ab jetzt die Geschenke? All unsere kleinen Teppichratten, die lieben Kleinen, wer wird ihre Augen zum Leuchten bringen? Ich muß es schaffen, ich habe noch zwei Tage, nur noch 48 Stunden und mein Partner Eddy Murphy ist im Urlaub! Aber egal, ich bin stark, schnell und hab eine Idee (Das ist mein Job)

23.12.03: Hoffnung. Bingo, ich hab‘s! Ich weiß es, alles wird gut und die Welt wird gerettet, wir sind die Größten, Tollsten. Du lieber Leser auch! Der Fall ist ganz einfach. Welch ewige Entbehrungen mussten wir hinnehmen, welch dramatische Stunden, diese täglich gähnende Langweile diese Textes? Jetzt kommt sie, die ultimative Lösung, die auch den werblichen Bogen zu Café Palermo bringt: Das muss anders werden, sprach Gott, der Liebe, und erschuf flugs ein parallel Universum. Hierhin geflohen, gelang es dem Weihnachtsmann, dem Kugelhagel zu entkommen. So zeigt er sich nur in unserer Matrix-Welt, als toter, roter Sack. Der Weihnachtsmann bleibt also für alle offenen noch wachen Geister erreichbar, er ist sogar zum Greifen nah. Und all die kleinen und großen Kinder werden weiterhin erleben können, was es heißt, Träume zu haben, Phantasie zu entwickeln und miteinander zu teilen. Der Weihnachtsmann lebt für alle die Leben und Lieben. Und das ist wohl das schönste und poetischtste was je in einem Untersuchungsbericht eines Polzeibeamten gestanden hat. Mensch Minna, drück die Träne weg und setzt dich wieder auf dein Sofa und guck Olli Geisen.

24.12.03 So, nach 24 Tagen der Angst und Spannung ist es Zeit, allen überlebenden Lesern ein Geschenk zu machen. Aus dem reichhaltigen Topf der Café Palermo Merchandising-Palette werden 5 Original Espressotassen unter den Einsendern verlost die folgende Frage Richtig beantworten können: Wie heißt das Dorf aus dem die Familie des Paten stammt? Nun schnell antworten und Geschenke kassieren. Buon natale e un felice nuovo anno.

©2003, Autor: Marc Omar